Olympische Spiele von London 2012

Als Kind hatte ich immer den Traum, einmal für Deutschland ins olympische Dressurviereck einzureiten. Dass dieser Traum 2012 in London/GBR wahr werden sollte, kann ich bis heute kaum glauben. Lange Zeit hielt ich dieses Ziel für unerreichbar – doch dann ging alles rasend schnell.

Im Dezember 2011 bestritt ich beim Frankfurter Festhallen-Turnier mit der damals neunjährigen Diva Royal meiner Schülerin Stella Charlott Roth meine erste Weltcup-Kür und belegte auf Anhieb Rang drei. Der inzwischen leider verstorbene Bundestrainer Holger Schmezer regte an, dass ich die Stute zunächst weiterreiten sollte.

Die nächsten Stationen waren Neumünster, Dortmund, München und die Deutschen Meisterschaften in Balve, wo wir Platz vier im Special und Platz fünf in der Kür belegten.

Und plötzlich waren Diva Royal und ich im Gespräch für den Aachener Nationenpreis, was allein schon zur Erfüllung eines Lebenstraum gereicht hätte. Beim CHIO klappte alles wie am Schnürchen: Sieg in der Teamwertung, Platz vier im Special, Rang drei in der Kür – und als Krönung die Nominierung für die Deutsche Olympia-Equipe obendrauf. 

Von da ab hieß das Saisonziel London! Zur Einkleidung ging es nach Mainz und kurz darauf wurden auch schon die Pferde verladen, die durch den Tunnel auf die Insel gebracht wurden. Das Trainingslager fand bei Familie Pidgley statt, die uns Olympianeulinge, die Helen Langehanenberg, Kristina Sprehe, Anabel Balkenhol und ich allesamt waren, herzlich aufnahmen.

Nach vier Tagen hieß es: Einzug der Pferde in die Stallungen am Greenwichpark und der Reiter ins Olympische Dorf, wo sich Helen und ich ein Zimmer teilten.

Beim Gedanken an das Reiterstadion bekomme ich jetzt noch eine Gänsehaut. 26.000 Zuschauer fanden hier Platz. Das Gefühl, vor solch einer Kulisse zu reiten, war genauso unbeschreiblich wie das, als ich mit dem Deutschen Team bei der Eröffnungsfeier ins Olympiastadion einmarschierte.

Meine Ritte im Grand Prix und im Special der Teamwertung konnte ich in vollen Zügen genießen.

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Auch wenn ich wusste, dass wir uns drei Teamreiter nach der neuen Regel ohne Streichergebnis keinen einzigen Fehler erlauben durften, der Druck also enorm groß war. Diva Royal war auf den Punkt fit und schaffte es sogar, sich gegenüber ihrer Leistung in Aachen noch einmal zu steigern. Mit der ihr eigenen unerschütterlichen Takt- und Lektionssicherheit punktete sie in den Höchstschwierigkeiten ein ums andre Mal und so konnte ich aus dem Grand Prix als Achtbeste 76,27 Prozent und aus dem Special als Sechste 77,57 Prozent zum Gewinn von Teamsilber hinter der Equipe aus Großbritannien und vor der Mannschaft aus den Niederlanden beisteuern.

In die Kür mischte sich dann bereits ein bisschen Wehmut, dass nach den Olympischen Spielen die gemeinsame Zeit von Diva Royal mir, wie mit Familie Roth vorher vereinbart, zu Ende sein würde.

Das war schon eine emotionale Achterbahn und in der Pressekonferenz gab es dann für die Tränen auch kein Halten mehr. Die zwei kleinen Fehler in der Galopptour waren zu verschmerzen, der Abschied im ersten Moment nicht. Mit 81,66 Prozent und Rang acht in der Kür-Einzelwertung ging der Olympische Traum von London zu Ende.

Zurück nach Hause ging es dann per Schiff und die Einfahrt in den Hamburger Hafen war noch einmal ein Highlight, genau wie der Empfang zu Hause. Meine Familie, Freunde und Bekannten feierten noch einmal ausgelassen mit mir den Erfolg von Olympia.

Der Alltag hatte mich dann relativ schnell wieder, schließlich war ich fast drei Wochen unterwegs und der Betrieb zu Hause musste in der Zeit ja auch tadellos weitergehen. Doch geblieben sind wunderschöne Erinnerungen an einen Traum, der sich ja vielleicht 2016 in Rio de Janeiro/BRA noch einmal wiederholen lässt. Hart daran arbeiten werde ich auf alle Fälle!

Bleibt, mich bei all denjenigen zu bedanken, die zum Gelingen des „Abenteuers“ London 2012 beigetragen haben! Ohne Euch wäre dieser Traum für mich nie in Erfüllung gegangen – DANKE!!!