Dorothee

Ich wurde in eine Pferdefamilie geboren. Mein Vater Hans Eberhard Schneider ritt selbst bis zur schweren Klasse, richtete bis Grand-Prix-Niveau und war mit Leib und Seele Pferde(Trakehner)züchter. Bis Ende der 1980er Jahre führte er als Pächter der 180 Hektar großen Domäne Mechthildshausen bei Wiesbaden einen landwirtschaftlichen Betrieb – und hier lernte ich auch reiten, musste mir aber, auch wenn es jetzt verrückt klingt, den Unterricht durch meinen Vater hart erkämpfen, weil er fast nie Zeit hatte. Ich habe also schon früh angefangen, mir die Dinge selbst beizubringen und sehr kritisch gegenüber meiner eigenen Reiterei zu sein.

Nach dem Abitur hatte ich ein Studium der Tiermedizin ins Auge gefasst, doch zunächst hieß es umziehen. Der Pachtvertrag der Domäne lief aus und wir zogen nach Framersheim, wo wir die Reitanlage kauften, die gegenüber Mechthildshausen deutlich kleiner war. Damit ergab sich für mich aber auch eine neue Perspektive und statt des Studiums entschied ich mich, auf dem Betrieb zu bleiben und eine Lehre als Bankkaufkauffrau zu machen. Ich wollte das wirtschaftliche Knowhow für eine spätere Selbstständigkeit erlernen, den Kontakt zum Kunden, wollte aber natürlich auch meine Eltern unterstützen.

Nach Abschluss meiner Bankkauffrau-Lehre schlossen sich eine Lehre zur Pferdewirtin mit Schwerpunkt Zucht und Haltung und 1994 die Prüfung zur Pferdewirtschaftsmeisterin an. Als Seiteneinsteigerin legte ich dann noch die Bereiterprüfung und auch hier 1996 die Meisterprüfung ab. Und um die Besamungsstation auf unserem Gestüt betreuen können, kam noch die Ausbildung zur Besamungswartin hinzu.

2000 übernahm ich unseren Betrieb Gestüts- und Reitanlage Sankt Stephan.

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Mein erster Vierbeiner war der Trakehner-Schimmelwallach Protegé, der sich schwer verletzt hatte und von meinem Vater wieder gesundgepflegt wurde. Mit ihm bestritt ich von der ersten Jugendreiterprüfung bis zur M-Dressur meine ersten Turnierstarts.

Mit unserem selbstgezogenen Katapult wurde ich Hessische Juniorenmeisterin und in den Landeskader berufen. Dann kam auch schon unser Van Deyk, mit dem ich den Sprung in die Grand Prix-Klasse schaffte. Dann Kaiserkult TSF, Ferryman, Dyamico, Diva Royal …

Mein Erfolgskonto weist fast 1.000 Platzierungen, davon über 330 Siege, in schweren Dressuren bis international Grand Prix aus.

Höhepunkte sind die Championatserfolge bis hin zum Olympischen Teamsilber von London/GBR 2012, dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft und Olympia-Teamgold in Rio/BRA 2016.

Zu meinen wichtigsten Lehrmeistern zähle ich, neben meinem Vater, Klaus Balkenhol, Holger Schmezer, Jean Bemelmans, Michael Rasch und Hans Riegler. Aber ich habe mir auch sehr viel selbst beigebracht – weniger durch die Kontrolle im Spiegel als vielmehr durch das Gefühl. Es muss sich leicht und selbstverständlich anfühlen, dann werden Pferd und Reiter zu einer Einheit. Mich fasziniert die Zusammenarbeit mit dem Pferd, die ständige Herausforderung, Probleme zu lösen und jeden Tag auf’s Neue daran zu arbeiten, dass sich die Pferde wohlfühlen und ihr Bestes geben können.

Dazu muss man sich, wie in jedem Beruf, auch stets selbst hinterfragen und neue Lösungen in Betracht ziehen. Der schönste Lohn ist ein zufriedenes Pferd, das mitkämpft.

Um einen Betrieb wie den meinen zu führen, bedarf es vieler helfender Hände. Entsprechend dankbar bin ich meiner Familie und meinem Team für das Engagement. Und nicht zuletzt verdanke ich meinen Pferdebesitzern und Sponsoren, dass ich den für mich schönsten Beruf der Welt ausüben darf!